Bachelor

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Der Bachelor ist der niedrigste akademische Grad und der erste berufsqualifizierende Abschluss eines mehrstufigen Studienmodells. Die Regelstudienzeit beträgt sechs bis acht Semester.

Nach dem verbreiteten European Credit Transfer System (ECTS) sind bei sechs Semestern 180 Leistungspunkte (credit points) zu erwerben (210 bei sieben Semestern bzw. 240 bei acht Semestern), wobei ein Semester 30 Punkte umfasst und ein Punkt eine Arbeitsbelastung des jeweiligen Studenten von 25 bis 30 Stunden bedeutet. Dies ergibt rechnerisch eine durchschnittliche Arbeitsbelastung von 40 Stunden in der Woche bei sechs Wochen Urlaub im Jahr. Zu der Arbeitsbelastung zählt die gesamte Zeit, die vom Studenten für das Studium aufgewendet werden muss (also z. B. die Zeit für Vorlesungen, Seminare und Prüfungen, sowie die Zeit für deren Vor- und Nachbereitung).

Die meisten Bachelorstudiengänge beschränken sich auf ein einzelnes Fach. Einige Hochschulen bieten jedoch zusätzlich besondere Bachelorstudiengänge an, bei denen gleichzeitig mehrere Studienfächer belegt werden können.

Modulstruktur

Die Lehrveranstaltungen in Bachelor-Studiengängen sind durch Module strukturiert. Ein Modul fasst eine oder mehrere Lehrveranstaltungen mit einem Lernziel zusammen und ist die Einheit, für die Leistungspunkte vergeben werden. Durch den Bachelor-Abschluss wird die Vereinheitlichung der Studienabschlüsse in Europa und damit eine bessere internationale Vergleichbarkeit angestrebt.

Dazu gibt es detaillierte Vorgaben der Länder im Rahmen des Bologna-Prozesses, die insbesondere durch die Akkreditierung der Studiengänge gewährleistet werden, die durch Akkreditierungsagenturen durchgeführt wird. Durch diese externe Prüfung der Studiengänge soll sowohl die formale Kompatibilität zum Bachelor-System, als auch die Qualität der Lehre, des Lehrkörpers und der Studieninhalte geprüft werden. Bei den Akkreditierungsagenturen handelt es sich um Vereine, die wiederum vom zentralen Akkreditierungsrat akkreditiert werden. Die Akkreditierung, die meist optional, in Hamburg aber gesetzlich vorgeschrieben ist, wird meist erst nach Einführung eines neuen Studiengangs begonnen. Dies führt häufig zu der Kritik, dass die ersten Jahrgänge eines Bachelors Versuchskaninchen seien, da der Ausgang des Akkreditierungsverfahrens ungewiss ist.

Abschluss und mögliche Umorientierung

Mit dem Bachelor erwirbt der Student einen ersten berufsqualifizierenden Hochschulabschluss. Der Bachelorabschluss ist aber auch Qualifikationsnachweis für ein anschließendes Masterstudium. Durch ein Masterstudium kann entweder das Studienfach fortgeführt und vertieft bzw. im fachlichen Zusammenhang fachübergreifend erweitert werden („konsekutiv“) oder eine fachliche Umorientierung erfolgen mit dem Wechsel in einen Masterstudiengang, der nicht auf das bisherige Studium aufbaut („nicht-konsekutiv“).

Studium und Beruf

Ziel der Einführung eines Bachelor-Abschlusses in Europa war neben der Vereinheitlichung innerhalb der EU und einer kürzeren Studiendauer auch ein stärkerer Praxisbezug des Studiums. Da in den Geistes- und Sozialwissenschaften die möglichen Berufsfelder oft nicht klar eingegrenzt werden können, werden in der Regel zwei oder drei Fächer studiert sowie Inhalte aus dem Bereich General Studies ergänzt. In den natur-, ingenieur- und wirtschaftswissenschaftlichen Fächern wird meist schon zu Beginn ein einzelnes Fach gewählt.

Bachelor-Abschluss in der IT und IT-nahen Bereichen

Abschlussbezeichnungen

Die Kultusministerkonferenz (KMK) hat in den Strukturvorgaben aus dem Jahr 2003 die Abschlussbezeichnungen festgelegt. Für die IT und IT-nahen Bereiche werden folgende Abschlussbezeichnungen verwendet:

  • Bachelor of Arts (B.A.)
  • Bachelor of Science (B.Sc.)
  • Bachelor of Engineering (B.Eng.)

Die Hochschule kann die Abschlussbezeichnungen auch in zulässigen Formen deutscher Sprache verleihen. (z. B. Bakkalaureus der Wissenschaften). Gemischtsprachige Bezeichnungen sind jedoch ausgeschlossen. Der Absolvent muss die Abschlussbezeichnung so führen, wie sie verliehen wurde, und darf nicht eigenmächtig eine andere Sprache wählen. Laut Vorgabe der KMK werden keine Leerzeichen in der Abkürzung bei der Verleihung verwendet. Die Bezeichnung wird meist im angloamerikanischen Stil nach dem Namen geschrieben, beispielsweise Erika Mustermann, B.A.

Der Bachelorgrad darf nicht um einen fachlichen Zusatz ergänzt werden und außerdem nicht um einen Zusatz ergänzt werden, der auf die Art der Bildungseinrichtung hinweist, die den Bachelor-Grad verliehen hat (z. B. (FH) oder (Univ.)), da es keine für die Hochschulart spezifisch unterschiedlichen Vorgaben (z. B. Dauer des Studiums) gibt und alle Hochschulen denselben Akkreditierungsanforderungen unterliegen. Detaillierte Information zum jeweiligen Studiengang gehen aus der Bachelorurkunde, dem Bachelorzeugnis und dem Diploma Supplement hervor.

In ihren Strukturvorgaben von 1999 hatte die KMK noch eine Unterscheidung zwischen stärker forschungs- und stärker anwendungsorientierten Gradbezeichnungen festgelegt, die jetzt nicht mehr zulässig ist. Fachliche Zusätze sind in Folge dessen ebenfalls nicht mehr erlaubt (z. B. Bachelor of Computer Science oder Bachelor of Arts in Economics). Die Umstellung der Gradbezeichnungen in bereits bestehenden Studiengängen erfolgt im Rahmen der Akkreditierung und Reakkreditierung.

Durchlässigkeit des Hochschulbereichs

In der Bundesrepublik Deutschland kann der Bachelor-Abschluss auch an Berufsakademien erworben werden. Die Absolventen erhalten eine staatliche Abschlussbezeichnung anstelle eines akademischen Grades. Bei einem Weiterstudium entscheidet die jeweilige Hochschule anhand zusätzlicher Prüfungskriterien, ob der Berufsakademie-Absolvent zu einem Masterstudiengang zugelassen werden kann. Mit einem Bachelor-Abschluss an einer Hochschule (Universität oder Fachhochschule) kann dagegen auf jeden Fall ein Master-Studium angeschlossen werden.

Vergleich mit traditionellen Abschlüssen

Bachelorabschlüsse verleihen grundsätzlich dieselben Berechtigungen wie Diplomabschlüsse an Fachhochschulen. Die KMK hat im Jahr 1999 noch explizit festgehalten, dass das Diplom (FH) dem im Ausland verbreiteten vierjährigen Bachelor honours (vgl. unten) entspricht (zu trennen von anderen Bachelorvarianten). Während generell der Bachelor als erster berufsqualifizierender Abschluss gelten soll, reicht er in Studiengängen, an deren Ende bislang Staatsexamina standen, allein nicht aus. Mit dem notwendigen anschließenden Master zusammen ergibt sich eine ähnliche Studiendauer wie bisher.

Da jedoch grundsätzlich ein essenzieller Teil des Bologna-Prozesses die Einführung eines mehrstufigen Abschlusssystems ist, das sich grundlegend von der bisherigen Einteilung in Grund- und Hauptstudium unterscheidet, beinhaltet jeder Vergleich mit den bisherigen Abschlüssen eine Pauschalisierung. Die strukturellen Unterschiede zum bisherigen System können nicht erfasst werden, so dass die in der Öffentlichkeit wahrgenommene Wertigkeit des neuen Abschlusses stark variiert und von einer Gleichsetzung mit dem Bestehen des Vordiploms bis hin zum Diplom reicht. Bis 2010 soll ein europaweit einheitliches und im Vergleich zu bisherigen Abschlüssen leichteres Verfahren zur Anerkennung des Bachelors geschaffen werden.

Promotion ohne Master

Der Vorschlag der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) lautet, besonders guten Bachelorabsolventen eine Promotion ohne vorherigen Masterabschluss zu ermöglichen. Der Deutsche Hochschulverband als Vertretung der Hochschullehrer steht dieser Möglichkeit aber ablehnend gegenüber. Die letztliche Entscheidung liegt bei den Hochschulen mit Promotionsrecht, die jeweils eine eigene Promotionsordnung verfassen. In den Ländern Bayern, Nordrhein-Westfalen und dem Saarland können laut Studienordnungen besonders qualifizierte Absolventen von Bachelor-Studiengängen im Rahmen eines Eignungsfeststellungsverfahrens ausnahmsweise zur Promotion zugelassen werden. Die Zulassung erfolgt dabei möglicherweise unter dem Vorbehalt zusätzlicher zu absolvierender Studien- und Prüfungsleistungen.

Bachelor-Abschluss an „Business Schools“

Bereits vor dem Bologna-Prozess etablierten sich auch in Deutschland einige, meist private „Business-Schools“, also Wirtschafts-(Hoch-)Schulen, die einen Bachelorabschluss nach angelsächsischem Vorbild anboten. Die fehlende staatliche Anerkennung dieser Abschlüsse nach dem deutschen Hochschulrecht umgingen die „Business-Schools“ durch Partnerschaften mit US-amerikanischen und englischen Universitäten, die es den Absolventen ermöglichten, mit integrierten Auslandsstudien, den nach dem jeweiligen Hochschulrecht anerkannten Hochschulabschluss der Partneruniversität zu erlangen. Einige dieser früheren „Business-Schools“ sind heute auch in Deutschland als Hochschule staatlich anerkannt.

Hohe Abbrecherquote

Nach einer Studie des Hochschul-Informations-Systems soll in Universitäten jeder vierte Bachelorstudent abbrechen, in Fachhochschulen sogar jeder dritte. Die Abbrecherquote in den Ingenieurwissenschaften ist bei den neuen Bachelorstudiengängen erheblich höher als in den früheren Diplom-Studiengängen, was daher insbesondere bei den Fachhochschulen spürbar wird, die diese Studiengänge verstärkt anbieten. Dies wird darauf zurückgeführt, dass die Umstellung der ingenieurwissenschaftlichen Diplomstudiengänge zu den Bachelorstudiengängen häufig zwar mit einer zeitlichen Straffung, nicht jedoch mit einer entsprechenden Kürzung des Lernstoffes verbunden ist, woraus eine zusätzliche Stoffverdichtung resultiert. Bei Bachelor-Studiengängen in Sozialwissenschaften, Sprach- und Kulturwissenschaften sowie in Agrar-, Forst- und Ernährungswissenschaften ist die Abbrecherquote weiter auf hohem Niveau, jedoch niedriger als bei vorherigen Diplom- und Magisterstudiengängen, so dass die Einführung hier als erfolgreich angesehen werden kann